"Unglaubliche Lebensfreude trotz schockierender Schicksale"

Großstadtflair, bezaubernde Lage am Ozean, abwechslungsreiches Hinterland: So wird Kapstadt in vielen Reiseführern beschrieben. Manchmal reicht es aber, nur die Straßenseite zu wechseln, um sich in einer völlig anderen, verarmten Welt wiederzufinden. Sina Buchner, seit 2012 Medizinische Fachangestellte in der Frauenklinik am Klinikum Ansbach, hat diese Erfahrung selbst gemacht. Sechs Monate arbeitete sie ehrenamtlich in Südafrika.

Die Arbeit mit Kindern lag Sina Buchner besonders am Herzen.

„Mir ging es vor allem ums Helfen“, sagt die 21-Jährige aus Burk im Landkreis Ansbach. Von September 2013 bis März 2014 arbeitete sie in verschiedenen Projekten für die Organisation „Jugend für Christus“. Sie unterrichtete beispielsweise an einer Schule, spielte und bastelte mit Kindern eines Kinderhorts und kümmerte sich um Babys, die zur Adoption freigegeben wurden.

Ein weiteres Projekt war die Arbeit im New Life Center in Kapstadt. „Wir haben uns dort um Frauen gekümmert, die ungewollt schwanger waren und oft zum Beispiel vom eigenen Onkel vergewaltigt wurden“, erzählt Sina Buchner. Sie unterstützte die zum Teil erst 15-jährigen Mädchen und Frauen, die sich dazu entschlossen hatten, ihr Kind zur Welt zu bringen. „Die Frauen dürfen während der ganzen Schwanger-schaft im Center bleiben. Nach Hause können sie in dieser Zeit nicht, weil sie Angst haben, dass Ihnen dort aufgrund ihrer Schwangerschaft etwas angetan wird.“

Viele schockierende Schicksale erlebte Sina Buchner auch bei einem Projekt, das Kinder von afrikanischen Farmarbeitern unterstützte. Weil die Eltern den ganzen Tag auf der Farm arbeiten müssen, sind die Kinder sich selbst überlassen. „Die Kleinen sind total verwahrlost, alles ist dreckig, es gibt nur einen Wasserhahn aus dem oft nur braune Flüssigkeit kommt“, beschreibt Sina Buchner die Zustände. Es sei ein sehr heftiges Projekt gewesen. Die Kinder schlügen sich gegenseitig, etwa 90 Prozent seien schon missbraucht und vergewaltigt worden – meistens von Familienangehörigen. An Versorgung der Wunden denkt hier keiner. „Man kann nichts machen, es interessiert einfach niemanden, was da los ist. Wir haben versucht, den Kindern wenigstens die Grundlagen wie essen, waschen, Zähne putzen und beten beizubringen und ihnen unsere Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken.“

Trotz der vielen schlimmen Erfahrungen zieht Sina Buchner auch viel Positives aus ihrem Afrikaaufenthalt: „Obwohl wirklich fast jeder Afrikaner irgendeine schlimme Geschichte innerhalb seiner Familie erzählen könnte, strahlen sie unglaubliche Lebensfreude aus. Diese Erfahrung hat mein Leben beeinflusst und bereichert, ich sehe bestimmte Dinge jetzt mit ganz anderen Augen und bin insgesamt viel zufriedener mit meinem eigenen Leben.“ Überwältigt war Sina Buchner auch von der Unterstützung, die sie von Familie, Freunden und ihren Kollegen aus dem Klinikum Ansbach erhalten hat. „Ich bin so dankbar für diese tolle Hilfe. Ohne diese Unterstützung hätte ich meine Projekte in Afrika viel früher beenden müssen.“